Creality nutzt die IFA 2026 in Berlin für einen seiner bislang spannendsten 3D-Drucker. Mit dem Creality K3 steht die nächste Generation der K-Serie in den Startlöchern. Im Mittelpunkt steht dabei nicht einfach eine höhere Druckgeschwindigkeit oder ein größerer Bauraum, sondern ein grundsätzlich anderer Umgang mit Mehrfarb- und Multimaterial-Drucken. Dafür setzt Creality erstmals auf sein neues KliTek-System mit bis zu vier separaten Düsen.

Der Ansatz soll eines der größten Ärgernisse bisheriger Multicolor-Systeme reduzieren: Bei einem Farbwechsel muss nicht ständig dasselbe Hotend gespült werden. Stattdessen wechselt der K3 innerhalb weniger Sekunden zwischen verschiedenen Düsen. Creality verspricht dadurch deutlich kürzere Druckzeiten und wesentlich weniger Filamentabfall. Gleichzeitig lassen sich unterschiedliche Materialien und sogar verschiedene Düsendurchmesser innerhalb eines Druckauftrags kombinieren.

KliTek wechselt die Düse statt ständig das Filament

Herzstück des K3 ist Crealitys neue KliTek-Technik. Das System arbeitet mit vier unabhängigen Filamentkanälen und kann bis zu vier Düsen beziehungsweise komplette Düsenbaugruppen verwalten. Beim Wechsel wird dabei nicht der gesamte Druckkopf ausgetauscht. Stattdessen übernimmt der Drucker eine vergleichsweise kompakte Einheit aus Düse, Hotend und Filamentpfad.

Creality gibt für einen solchen Wechsel lediglich 4,8 Sekunden an. Da die jeweils benötigten Düsen vorbereitet werden können, soll der vollständige Farb- beziehungsweise Materialwechsel wesentlich schneller erfolgen als bei Systemen, die ein einzelnes Hotend immer wieder entladen, neu bestücken und anschließend spülen müssen.

Bis zu 85 Prozent weniger Filamentverbrauch beim Multicolor-Druck

Gerade beim Mehrfarbdruck könnte dieser Aufbau einen erheblichen Unterschied machen. Klassische Single-Nozzle-Systeme produzieren bei jedem Materialwechsel zusätzliches Spülmaterial. Bei Modellen mit mehreren hundert oder sogar tausenden Farbwechseln kann dadurch eine beträchtliche Menge Kunststoff im Abfall landen.

Creality spricht beim K3 unter bestimmten Testbedingungen von bis zu 85 Prozent weniger Filamentverbrauch und einer um bis zu 80 Prozent reduzierten Gesamtdruckzeit gegenüber einem Single-Nozzle-System. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Ergebnisse aus Crealitys eigenen Labortests und nicht um unabhängig bestätigte Praxiswerte.

Wie groß der Vorteil bei normalen Modellen tatsächlich ausfällt, dürfte deshalb eine der interessantesten Fragen für einen späteren Test sein.

Vier Farben ohne ständiges Purging

Das System ist zunächst besonders für Drucke mit bis zu vier Farben interessant. Jeder Filamentkanal kann einer eigenen Düse zugewiesen werden. Ein Farbwechsel bedeutet damit nicht automatisch, dass erst das zuvor verwendete Filament vollständig aus dem Hotend gedrückt werden muss.

Ganz ohne zusätzliches Material kommt allerdings auch der K3 nicht aus. Creality verwendet bei seinen eigenen Vergleichsdrucken weiterhin einen Prime Tower. Das Versprechen eines praktisch abfallfreien Multicolor-Drucks sollte deshalb nicht mit einem vollständig materialverlustfreien Verfahren verwechselt werden.

0,2 bis 0,8 Millimeter innerhalb eines Druckjobs

KliTek soll aber deutlich mehr können als nur Farben wechseln. Besonders interessant ist die Möglichkeit, unterschiedliche Düsendurchmesser innerhalb desselben Modells einzusetzen.

Unterstützt werden 0,2, 0,4, 0,6 und 0,8 Millimeter. Dadurch könnte beispielsweise eine 0,4-mm-Düse für detaillierte Außenflächen eingesetzt werden, während eine 0,8-mm-Düse große Bereiche des Infills wesentlich schneller druckt. Für besonders feine Strukturen steht wiederum eine 0,2-mm-Düse zur Verfügung.

Creality spricht bei der Kombination verschiedener Düsendurchmesser von einer möglichen Effizienzsteigerung von bis zu 30 Prozent. Die entsprechenden Einstellungen werden über Creality Print vorgenommen. Standardmäßig wird der K3 mit 0,4-mm-Düsen ausgeliefert; zusätzliche Multi-Nozzle-Komponenten sollen separat angeboten werden.

260 × 260 × 260 Millimeter Bauraum

Beim eigentlichen Druckvolumen bleibt Creality in einer für Desktop-Geräte gut nutzbaren Größenklasse. Der Bauraum misst 260 × 260 × 260 Millimeter.

Die maximale Druckgeschwindigkeit wird mit 500 mm/s angegeben, während die Beschleunigung bis zu 20.000 mm/s² erreichen soll. Das Gerät selbst misst 420 × 482 × 536 Millimeter und bringt laut Datenblatt 22 Kilogramm auf die Waage.

37 Sensoren überwachen den Drucker

Ein Düsenwechsler funktioniert nur dann zuverlässig, wenn die einzelnen Werkzeuge nach jedem Wechsel möglichst exakt dieselbe Position erreichen. Creality gibt dafür eine Wiederholgenauigkeit von weniger als 25 Mikrometern an.

Zusätzlich stecken insgesamt 37 Sensoren im K3. Sie übernehmen verschiedene Kontroll- und Automatisierungsaufgaben und sollen unter anderem dafür sorgen, dass die häufigen Düsenwechsel reproduzierbar ablaufen.

KI-Kamera erkennt vergessene Druckteile

Eine integrierte Kamera dient nicht nur dazu, den Druckfortschritt aus der Ferne zu verfolgen. Creality nutzt sie auch für mehrere automatische Kontrollfunktionen.

Vor dem Druck kann das System überprüfen, ob sich beispielsweise noch ein fertiges Modell oder ein anderer Gegenstand auf dem Druckbett befindet. Außerdem wird kontrolliert, ob die Druckplatte überhaupt eingesetzt wurde. Während des Drucks soll die Kamera typische Fehldrucke beziehungsweise sogenanntes Spaghetti erkennen und den Vorgang gegebenenfalls automatisch pausieren.

TPU von weich bis vergleichsweise hart

Einen weiteren Schwerpunkt legt Creality auf flexible Filamente. Das neue S-Drive-System soll TPU zuverlässiger durch den Filamentpfad transportieren und dadurch höhere Materialflüsse ermöglichen.

Auf der aktuellen K3-Produktseite nennt Creality TPU mit Shore-Härten von 85A, 90A und 95A. Für TPU 95A werden unter optimalen Bedingungen bis zu 15 mm³/s Volumenstrom angegeben. Creality spricht hierbei von bis zu siebenmal höheren Werten als bei typischen Consumer-Systemen. Auch diese Angaben stammen aus internen Herstellertests.

Für den TPU-Druck werden allerdings zusätzliche, separat erhältliche Komponenten benötigt.

Flexible und harte Materialien in einem Modell

Gerade hier könnte das Mehrdüsensystem seine eigentliche Stärke ausspielen. Der K3 soll unterschiedliche Materialien innerhalb eines einzigen Modells kombinieren können.

Damit wären beispielsweise Bauteile denkbar, die einen festen Grundkörper mit flexiblen Bereichen verbinden. Auch der Einsatz von PETG als Trennschicht beziehungsweise Supportmaterial für PLA – oder umgekehrt – gehört zu den Szenarien, die Creality für das System vorsieht.

Dadurch könnte KliTek langfristig interessanter werden als ein System, das lediglich verschiedene Farben desselben Materials verarbeitet.

CMYK-Druck soll zusätzliche Farbtöne ermöglichen

Eine ungewöhnliche Funktion betrifft die Farbmischung. Creality experimentiert beim K3 mit CMYK-basierten Drucken. Dabei werden transparente beziehungsweise durchscheinende Filamente in Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz in unterschiedlichen Schichtstärken kombiniert.

Das Verfahren kann zusätzliche optische Farbtöne erzeugen, ist allerdings nicht mit klassischem Farbdruck zu vergleichen. Creality weist selbst darauf hin, dass damit weder eine exakte Farbabstimmung noch sämtliche gewünschten Farben reproduziert werden können.

USB-C-Verbindung erleichtert Wartung

Auch die Düsenmodule selbst sind modular aufgebaut. Düse, Hotend und Filamentpfad bilden eine Einheit, die über eine mit zwei Schrauben gesicherte USB-C-Verbindung angeschlossen wird.

Das dürfte vor allem Wartungsarbeiten vereinfachen. Bei einem defekten oder zugesetzten Hotend muss nicht zwangsläufig ein großer Teil des Druckkopfes zerlegt werden.

Creality verspricht ein offeneres System

Interessant für erfahrene Maker ist außerdem Crealitys Aussage zum Softwarezugang. Der K3 soll nativen Root-Zugriff bieten und ausdrücklich Möglichkeiten zur Erweiterung von Hard- und Software eröffnen.

Wie offen das System im Alltag tatsächlich sein wird und welche Komponenten beziehungsweise Firmwarebereiche verändert werden können, muss sich allerdings erst nach der Veröffentlichung zeigen.

Preis und Deutschland-Start noch offen

Creality präsentiert den K3 aktuell auf der IFA 2026 in Berlin und hat inzwischen die vollständige Produktseite freigeschaltet. Einen finalen Verkaufspreis nennt der Hersteller dort allerdings noch nicht.

Auch ein konkreter Verkaufsstart für Deutschland beziehungsweise Europa ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigt. Interessenten können sich derzeit lediglich für weitere Informationen zum K3 registrieren.

Damit bleibt ausgerechnet eine der spannendsten Fragen zunächst unbeantwortet. Denn wie attraktiv das neue KliTek-Konzept tatsächlich wird, hängt am Ende auch davon ab, wie Creality den K3 und die zusätzlich benötigten Düsen- und Materialkomponenten preislich positioniert.

Unsere Einschätzung

Der Creality K3 ist wesentlich interessanter als ein gewöhnliches Generationsupdate. Höhere Geschwindigkeiten und mehr Automatisierung gehören inzwischen fast zum Pflichtprogramm moderner Desktop-3D-Drucker. Ein schneller Wechsel zwischen vier separaten Düsen kann dagegen einen Bereich verbessern, der beim Multicolor-Druck weiterhin für viel Kritik sorgt: lange Wechselzeiten und große Mengen verschwendetes Filament.

Mindestens genauso interessant ist die Möglichkeit, verschiedene Düsendurchmesser und Materialien innerhalb eines Druckjobs einzusetzen. Sollte das System im Alltag zuverlässig funktionieren, könnte der K3 dadurch nicht nur für dekorative Mehrfarbdrucke, sondern auch für funktionale Bauteile interessant werden.

Ob Crealitys Versprechen von bis zu 80 Prozent Zeitersparnis und 85 Prozent weniger Filamentverbrauch unter realistischen Bedingungen Bestand haben, muss allerdings ein unabhängiger Test zeigen. Gerade diese beiden Werte würden wir bei einem ausführlichen Test des K3 besonders genau untersuchen.