Prusa Research verpasst gleich einem großen Teil seines aktuellen 3D-Drucker-Portfolios ein Hardware-Upgrade. Mit dem CORE One+ der zweiten Generation, dem CORE One L+ und dem XL+ starten drei überarbeitete Modelle, die nicht mit spektakulären neuen Maximalgeschwindigkeiten werben, sondern einige der Punkte verbessern sollen, die im täglichen Betrieb tatsächlich auffallen.

Dazu gehören integrierte Düsenwischer, neue GT1.5-Riemen, schnellere Druckvorbereitung und beim XL+ ein komplett neues 360-Grad-Kühlsystem sowie eine erheblich schnellere Werkzeugkalibrierung.

Besonders erfreulich für Käufer: Prusa erhöht die Preise durch das Upgrade nicht. Wer bereits einen noch nicht ausgelieferten CORE One+, CORE One L oder XL bestellt hat, bekommt automatisch die neue Version.

Düsenwischer jetzt bei allen drei Modellen

Eine der sichtbarsten Neuerungen ist gleichzeitig ausgesprochen simpel. CORE One+ Gen 2, CORE One L+ und XL+ besitzen jetzt serienmäßig einen integrierten Düsenwischer.

Vor dem eigentlichen Druck wird dadurch überschüssiges Filament von der Düse entfernt. Kleine Filamentreste oder Fäden sollen so weniger häufig auf dem Druckbett landen oder bereits die erste Schicht beeinträchtigen.

Prusa verwendet bewusst ein weit verbreitetes Wischerformat. Das Verschleißteil soll dadurch später nicht ausschließlich über den Hersteller erhältlich sein.

Neue GT1.5-Riemen sollen Oberflächen verbessern

Eine weitere Änderung betrifft das Bewegungssystem. Die drei überarbeiteten Drucker erhalten GT1.5-Riemen.

Dadurch möchte Prusa insbesondere feine, sich wiederholende Muster auf glatten Oberflächen reduzieren. Solche sogenannten VFA-Strukturen können durch das Zusammenspiel aus Motoren, Riemen und Bewegungsmechanik entstehen.

Wie groß der Unterschied beim tatsächlichen Druckbild ausfällt, wäre einer der interessantesten Punkte für einen direkten Vergleich mit den bisherigen Modellen.

CORE One+ Gen 2 soll schneller zum eigentlichen Druck kommen

Die umfangreichsten Veränderungen innerhalb der CORE-One-Serie erhält der kleinere CORE One+ Gen 2.

Neben Düsenwischer und neuen Riemen hat Prusa die Befestigung des Heizbetts überarbeitet. Dadurch soll der bisherige zusätzliche Aufwärmschritt bei vielen Materialien entfallen.

Bei PLA, PETG und anderen Materialien, deren Druckbett mit höchstens 85 Grad Celsius betrieben wird, fällt der bisherige „Absorbing Heat“-Schritt komplett weg. Auch Materialien mit höheren Betttemperaturen sollen schneller gestartet werden können.

Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung, kann sich bei Anwendern mit vielen kurzen Druckaufträgen aber über den Tag deutlich bemerkbar machen.

Werkzeuglos abnehmbares Oberteil

Vom größeren CORE One L übernimmt das kompaktere Modell außerdem das abnehmbare obere Gehäuseelement.

Die Abdeckung lässt sich ohne Werkzeug entfernen. Dadurch werden Reinigung, Wartung und Arbeiten am oberen Bereich des Druckers einfacher.

Prusa hat außerdem den darunterliegenden automatischen Belüftungsmechanismus robuster konstruiert.

CORE One L+ bekommt gezieltes Feintuning

Beim größeren CORE One L+ fallen die Änderungen etwas überschaubarer aus. Das liegt vor allem daran, dass das ursprüngliche Modell bereits einige der neueren Konstruktionsideen verwendete.

Neu sind vor allem der integrierte Düsenwischer und die GT1.5-Riemen.

Das grundsätzliche Konzept bleibt unverändert: Der geschlossene CoreXY-Drucker bietet einen Bauraum von 300 × 300 × 330 Millimetern, eine aktiv geregelte Druckkammer und ein großflächiges Aluminium-AC-Heizbett.

Der XL+ bekommt das größte Hardware-Upgrade

Deutlich umfangreicher fällt der Generationswechsel beim Prusa XL aus.

Der große Toolchanger behält seinen Bauraum von 360 × 360 × 360 Millimetern, bekommt aber mehrere Komponenten aus den jüngeren Druckergenerationen.

Besonders interessant ist die neue 360-Grad-Bauteilkühlung. Das Konzept orientiert sich an MK4S und CORE One und verteilt die Kühlluft gleichmäßiger rund um die Düse.

Davon sollen insbesondere Überhänge, Brücken und kleine Details profitieren.

Tool Offset Sensor ersetzt die langsame Pin-Kalibrierung

Beim XL+ überarbeitet Prusa außerdem einen der wichtigsten Bereiche eines Multi-Tool-Druckers: die Kalibrierung der einzelnen Werkzeugköpfe.

Bislang wurden die Toolheads über einen herausnehmbaren Kalibrierungsstift aufeinander abgestimmt. Beim neuen XL+ übernimmt ein permanent installierter Wirbelstromsensor diese Aufgabe.

Prusa spricht von einer ungefähr 20-mal schnelleren Kalibrierung.

Gerade bei einem mit mehreren Werkzeugköpfen ausgestatteten XL könnte das einen spürbaren Komfortgewinn bedeuten, da die korrekte Ausrichtung der einzelnen Düsen bei Mehrfarb- und Mehrmaterialdrucken entscheidend ist.

High-Flow-Düsen jetzt serienmäßig

Prusa liefert den XL+ außerdem serienmäßig mit High-Flow-Düsen aus.

Sie ermöglichen einen höheren maximalen Materialdurchsatz und geben dem Drucker damit bei großen Objekten oder hohen Geschwindigkeiten mehr Spielraum.

Zusammen mit der neuen Kühlung könnte dies besonders beim großformatigen Druck einen praktischen Unterschied machen.

XL+ wird auf beheizte Kammer vorbereitet

Interessant wird der XL+ auch für technische Materialien. Die neue Konstruktion ist für Kammertemperaturen von bis zu 60 Grad Celsius vorbereitet.

Das überarbeitete optionale Gehäuse soll allein mit der vom Drucker erzeugten Wärme ungefähr 50 Grad erreichen können.

Ein zusätzlicher aktiver Kammerheizer soll später Temperaturen bis 60 Grad ermöglichen. Einen genauen Verkaufsstart dieses Heizers nennt Prusa derzeit allerdings noch nicht.

Damit könnte der XL+ künftig vor allem für große Bauteile aus PC Blend, kohlenstofffaserverstärkten Materialien und anderen anspruchsvolleren Filamenten interessanter werden.

Bestehende Besitzer müssen keinen neuen Drucker kaufen

Prusa verfolgt bei der neuen Generation einen Ansatz, der mittlerweile zu den Besonderheiten des Unternehmens gehört.

Für bestehende CORE-One-, CORE-One-L- und XL-Besitzer sollen Upgrade-Kits angeboten werden. Zusätzlich sollen viele Komponenten auch einzeln erhältlich sein.

Der CORE-One+-Gen-2-Upgradepfad startet zuerst. Upgrades für CORE One L und XL sollen anschließend gegen Ende August beziehungsweise Anfang September folgen.

Damit müssen Besitzer eines bestehenden Druckers nicht zwangsläufig eine komplett neue Maschine kaufen, um einen Teil der neuen Hardware zu erhalten.

CORE One+ Gen 2 startet in Europa ab 1.049 Euro als Kit

Prusa behält die bisherige Preisstruktur bei.

Der CORE One+ Gen 2 kostet im europäischen Prusa-Shop aktuell 1.049 Euro als Bausatz. Die fertig montierte Version wird für 1.349 Euro angeboten.

Der größere CORE One L+ wird auf den europäischen Prusa-Seiten ab rund 1.849 Euro geführt. Abhängig vom Lieferland kann die endgültige Summe durch die jeweils gültige Mehrwertsteuer leicht variieren.

Beim XL+ richtet sich der Preis weiterhin nach der Anzahl der Werkzeugköpfe. Prusa bietet Varianten mit einem, zwei oder fünf Toolheads an und behält auch hier das Preisniveau des vorherigen XL bei.

Auslieferung hat bereits begonnen

CORE One+ Gen 2 und CORE One L+ sind bereits im Verkauf. Die ersten fertig montierten Geräte werden unmittelbar ausgeliefert.

Beim XL+ beginnt die Auslieferung der fertig montierten Modelle im weiteren Verlauf des August 2026.

Besonders kundenfreundlich: Bereits bestehende, aber noch nicht ausgelieferte Bestellungen werden von Prusa automatisch auf die entsprechende neue Version umgestellt – ohne Aufpreis.

Prusa reagiert auf Bambu Lab, Creality und Co.

Der Wettbewerb im Desktop-3D-Druck ist in den vergangenen Jahren deutlich härter geworden. Hersteller wie Bambu Lab, Creality, Anycubic und Elegoo veröffentlichen in immer kürzeren Abständen neue CoreXY-Systeme mit automatischer Kalibrierung und umfangreicher Sensorik.

Prusa antwortet darauf diesmal nicht mit einer vollständig neuen Plattform, sondern verbessert bestehende Maschinen dort, wo im täglichen Betrieb Reibungspunkte entstehen.

Der größte Unterschied zur klassischen Modellpflege ist das Upgrade-Konzept: Viele Besitzer der bisherigen Modelle können ihre Drucker nachrüsten, statt komplett neue Hardware kaufen zu müssen.

Das spannendste Modell ist der XL+

Von den drei Aktualisierungen besitzt der XL+ aus technischer Sicht den größten Neuigkeitswert.

360-Grad-Kühlung, High-Flow-Düsen, Tool Offset Sensor, neue Riemen und die Vorbereitung auf eine beheizte Kammer greifen gleich mehrere Schwachpunkte beziehungsweise Wünsche bestehender XL-Nutzer auf.

Beim CORE One+ Gen 2 liegt der Reiz dagegen stärker im Alltag: kürzere Vorbereitung, Düsenreinigung und einfachere Wartung.

Ob die Verbesserungen auch bei Druckqualität und Zuverlässigkeit einen deutlich sichtbaren Unterschied erzeugen, lässt sich erst durch einen direkten Praxistest feststellen.