Bambu Lab erweitert sein Geschäft über klassische 3D-Drucker hinaus. Mit dem Bambu Lab R1 hat der Hersteller seinen ersten eigenständigen Lasergravierer und Lasercutter angekündigt. Das neue Gerät soll bereits im September 2026 erscheinen und könnte Bambu Lab in direkte Konkurrenz zu etablierten Laserherstellern wie xTool bringen.

Noch hält sich das Unternehmen bei technischen Einzelheiten auffallend zurück. Weder Laserleistung noch Arbeitsfläche oder Preis wurden bislang veröffentlicht. Die Ankündigung macht allerdings deutlich, dass der R1 kein Zubehör für einen vorhandenen Bambu-Lab-Drucker sein wird, sondern als eigenständige Maschine gedacht ist.

Vom 3D-Druck zum Lasercutting

„One more tool“ – mit dieser knappen Botschaft kündigt Bambu Lab den nächsten Schritt seines Maker-Ökosystems an.

Der R1 ist der erste eigenständige Lasergravierer und Lasercutter von Bambu Lab. Das ist insofern bemerkenswert, als der Hersteller seine Produktpalette in den vergangenen Jahren vor allem mit 3D-Druckern aufgebaut hat.

Ganz neu ist Lasertechnik für Bambu Lab allerdings nicht. Mit seiner H2-Serie hat das Unternehmen bereits Maschinen im Portfolio, bei denen sich 3D-Druck und weitere Fertigungsverfahren miteinander kombinieren lassen.

Der R1 trennt diese Bereiche nun wieder: Statt Laser und 3D-Druck in einer Maschine zu kombinieren, bekommt die Laserbearbeitung eine eigene Plattform.

Bambu Lab spricht vom „Personal Manufacturing Hub“

Der Schritt passt zur langfristigen Ausrichtung des Unternehmens. Bambu Lab möchte offensichtlich nicht ausschließlich als Hersteller von 3D-Druckern wahrgenommen werden, sondern ein breiteres Ökosystem für digitale Fertigung aufbauen.

In der offiziellen Ankündigung beschreibt das Unternehmen den R1 als Werkzeug, mit dem Anwender mit zusätzlichen Materialien arbeiten können. Gleichzeitig spricht Bambu Lab davon, einen persönlichen „Manufacturing Hub“ aufzubauen.

Damit könnte sich auch die Rolle der eigenen Software und Plattformen verändern. Gerade die Verzahnung von Hardware, Software und MakerWorld gehört zu den Bereichen, in denen Bambu Lab bei seinen 3D-Druckern eine vergleichsweise niedrige Einstiegshürde geschaffen hat.

Ob der Hersteller diesen Ansatz beim Laserschneiden ähnlich konsequent umsetzen kann, dürfte für den Erfolg des R1 entscheidend werden.

Welche Laserleistung hat der Bambu Lab R1?

Diese Frage lässt sich derzeit noch nicht seriös beantworten.

Bambu Lab hat bislang weder die verwendete Lasertechnologie noch deren Leistung veröffentlicht.

Auch im Umfeld der Ankündigung kursierende Vermutungen über einen 10-, 20- oder 40-Watt-Diodenlaser sind derzeit nicht bestätigt. Gleiches gilt für Spekulationen über CO₂-, Faser- oder andere Lasertechnologien.

Solange Bambu Lab keine entsprechenden Spezifikationen veröffentlicht, sollten diese Angaben deshalb nicht als technische Daten des R1 verstanden werden.

Bestätigt ist lediglich, dass das Gerät sowohl zum Gravieren als auch zum Schneiden vorgesehen ist.

Arbeitsfläche und Materialstärken bleiben ebenfalls offen

Auch zur Größe des R1 macht Bambu Lab derzeit noch keine konkreten Angaben.

Unbekannt sind unter anderem:

  • Arbeitsfläche
  • maximale Werkstückhöhe
  • maximale Schnittstärke
  • Laserleistung und Laserart
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit
  • Kamerasystem
  • Autofokus
  • Air Assist
  • Absaugung beziehungsweise Filtersystem
  • Durchreiche für größere Werkstücke
  • unterstützte Materialien
  • Sicherheitsklasse
  • verfügbare Varianten

Gerade diese Informationen werden darüber entscheiden, in welchem Segment Bambu Lab den R1 tatsächlich positioniert.

Ein kompakter Diodenlaser für Einsteiger würde schließlich eine vollkommen andere Zielgruppe ansprechen als ein leistungsstarkes geschlossenes System für ambitionierte Maker und kleine Gewerbebetriebe.

Sicherheit dürfte beim R1 eine wichtige Rolle spielen

Beim Lasercutting ist eine möglichst einfache Bedienung nur ein Teil der Gleichung. Ebenso wichtig sind Absaugung, Brandschutz, Materialerkennung und der Schutz vor Laserstrahlung.

Bambu Lab muss hier zeigen, wie weit sich das Sicherheits- und Automatisierungskonzept seiner jüngeren Maschinen auf einen dedizierten Lasercutter übertragen lässt.

Für einen späteren Test wären deshalb nicht nur Schnittgeschwindigkeit und Gravurqualität relevant. Auch Rauchentwicklung, Geruch, Filterleistung, Überwachung und Verhalten bei problematischen Materialien gehören zu den entscheidenden Punkten.

Bambu Lab R1 gegen xTool

Der offensichtlichste Konkurrent dürfte xTool sein.

Das Unternehmen besitzt inzwischen ein umfangreiches Portfolio aus Dioden-, CO₂- und Faserlasern und deckt damit vom Hobbybereich bis hin zu leistungsfähigeren Desktop-Systemen zahlreiche Einsatzgebiete ab.

Bambu Lab muss deshalb nicht nur bei der Hardware überzeugen.

Ein möglicher Vorteil könnte vielmehr das Ökosystem sein. Bei seinen 3D-Druckern hat Bambu Lab insbesondere durch weitreichende Automatisierung und eine enge Verbindung zwischen Drucker, Software und MakerWorld viele Arbeitsschritte vereinfacht.

Gelingt dem Unternehmen Ähnliches beim R1, könnte genau das zum wichtigsten Verkaufsargument werden.

Eine endgültige Konkurrenzanalyse ist momentan allerdings verfrüht. Ohne Laserleistung, Arbeitsfläche und Preis lässt sich noch nicht bestimmen, gegen welches xTool-Modell der R1 tatsächlich antreten wird.

Ein interessanter Zeitpunkt für den Einstieg

Bambu Labs Vorstoß kommt zu einem spannenden Zeitpunkt.

Desktop-Laser sind längst nicht mehr nur für klassische Maker interessant. Personalisierte Schilder, Holzgravuren, Lederarbeiten, Acrylprojekte, Verpackungen und Kleinserien haben den Geräten zusätzliche Zielgruppen erschlossen.

Insbesondere kleine Unternehmen und Etsy-Händler verwenden Desktop-Laser inzwischen als Produktionswerkzeuge.

Genau hier könnte Bambu Lab versuchen, einen ähnlichen Effekt wie beim 3D-Druck zu erzielen: komplexe Technik so weit zu automatisieren, dass weniger Erfahrung für brauchbare Ergebnisse notwendig ist.

Ob der R1 dieses Versprechen tatsächlich erfüllt, muss ein späterer Praxistest zeigen.

Veröffentlichung bereits im September

Lange müssen Interessenten nicht auf weitere Informationen warten.

Bambu Lab kündigt den R1 für September 2026 an. Einen konkreten Tag nennt das Unternehmen bislang allerdings nicht.

Auch Vorbestelltermin, Preis und regionale Verfügbarkeit stehen noch aus.

Da Bambu Lab die Ankündigung international kommuniziert, ist ein europäischer Marktstart grundsätzlich naheliegend. Eine konkrete Verfügbarkeit des R1 in Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht offiziell bestätigt und sollte daher nicht vorausgesetzt werden.

Preis des Bambu Lab R1 noch unbekannt

Besonders spannend dürfte die Preisgestaltung werden.

Bambu Lab hat den offiziellen Verkaufspreis noch nicht genannt. Entsprechend wäre es momentan unseriös, aus bestehenden H2-Modellen oder Konkurrenzprodukten einen vermeintlichen R1-Preis abzuleiten.

Gerade der Preis wird aber darüber entscheiden, wie aggressiv Bambu Lab in den etablierten Markt für Desktop-Laser einsteigt.

Redaktionelle Einordnung

Die Ankündigung des R1 ist trotz der wenigen technischen Informationen relevant.

Bambu Lab gehört inzwischen zu den bekanntesten Herstellern im Consumer-3D-Druck. Der Einstieg in den Markt für eigenständige Lasercutter ist deshalb mehr als die Vorstellung eines weiteren Maker-Gadgets.

Besonders interessant ist die strategische Entscheidung, einen dedizierten Laser anzubieten. Wer regelmäßig sowohl druckt als auch lasert, kann beide Maschinen parallel verwenden. Gleichzeitig gelangen Rauch, Ruß und Rückstände des Laserns nicht zwangsläufig in denselben Arbeitsraum und auf dieselbe Mechanik, die anschließend für den 3D-Druck verwendet wird.

Wie gut dieses Konzept umgesetzt wurde, können wir allerdings erst beurteilen, sobald Bambu Lab die vollständige Maschine präsentiert.