Wer unterschiedliche Materialien mit einem Laser bearbeiten möchte, braucht bislang häufig mehrere Maschinen. Ein CO₂-Laser übernimmt Holz und Acryl, ein Galvo-System sorgt für besonders schnelle Gravuren, während für Metalle wiederum Fiber- oder MOPA-Laser interessant werden. xTool will dieses Prinzip nun grundlegend verändern. Mit dem neuen xTool X1 hat der Hersteller eine Plattform vorgestellt, die mehrere bislang getrennte Lasertechnologien innerhalb eines einzigen Desktop-Systems zusammenbringen soll.

Dafür kombiniert xTool eine klassische Gantry-Konstruktion mit einem schnellen Galvo-System. Bereits die Grundausstattung soll einen 55-Watt-CO₂-Laser mit einem 20-Watt-Diodenlaser verbinden. Wirklich ungewöhnlich wird das Konzept allerdings durch die Erweiterungsmöglichkeiten: Über das neue Laser-Swap-System sollen später unter anderem ein 30-Watt-Faserlaser, ein 60-Watt-MOPA-Laser und ein 5-Watt-UV-Laser integriert werden können.

Damit richtet sich der X1 nicht nur an klassische Hobbyanwender. Vor allem kleine Unternehmen, Etsy-Shops, Personalisierungsbetriebe und ambitionierte Maker könnten zur Zielgruppe gehören, die bislang mehrere unterschiedliche Maschinen benötigen. Einen Preis und einen konkreten Verkaufsstart für Deutschland hat xTool allerdings noch nicht bekannt gegeben.

Zwei unterschiedliche Bewegungssysteme in einer Maschine

Eine der interessantesten technischen Entscheidungen betrifft nicht unmittelbar den Laser, sondern dessen Bewegung. Der xTool X1 verbindet zwei unterschiedliche Ansätze innerhalb einer Plattform.

Für größere Werkstücke und klassische Schneidarbeiten kommt ein Gantry-System zum Einsatz. Dabei wird der Laserkopf mechanisch über die Arbeitsfläche bewegt. Dieses Prinzip findet sich beispielsweise auch bei zahlreichen bekannten CO₂- und Diodenlasern.

Für schnelle und präzise Gravuren integriert xTool zusätzlich ein Galvo-System. Hier wird der Laserstrahl über schnell bewegliche Spiegel gesteuert. Dadurch sind wesentlich höhere Bearbeitungsgeschwindigkeiten möglich, ohne dass der komplette Laserkopf permanent über das Werkstück beschleunigt und abgebremst werden muss.

xTool spricht beim X1 von Gravurgeschwindigkeiten von bis zu 6.000 mm/s. Wie hoch die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit ausfällt, hängt allerdings von Laserquelle, Material, Motiv und den gewählten Einstellungen ab.

55-Watt-CO₂-Laser übernimmt Schneidarbeiten

Für klassische Laserarbeiten setzt xTool auf eine CO₂-Laserquelle mit 55 Watt Leistung. Diese dürfte vor allem für Holz, Acryl, Leder, Papier und zahlreiche weitere nichtmetallische Materialien vorgesehen sein.

Die Leistungsklasse ist bei xTool nicht vollkommen neu. Der bereits erhältliche P2S arbeitet ebenfalls mit einem 55-Watt-CO₂-Laser. Beim X1 ist der CO₂-Laser allerdings nur ein Teil einer wesentlich umfangreicheren Plattform.

Gerade beim Schneiden größerer Werkstücke soll die klassische Gantry-Mechanik ihre Vorteile ausspielen. Dadurch muss das System nicht ausschließlich innerhalb des vergleichsweise kleinen Arbeitsbereichs eines Galvo-Kopfes bleiben.

20-Watt-Diodenlaser sitzt direkt im Galvo-System

Zusätzlich integriert xTool einen 20-Watt-Diodenlaser. Dieser ist mit dem schnellen Galvo-System verbunden und soll entsprechend schnelle Gravuren ermöglichen.

Die Kombination ist interessant, weil Diodenlaser besonders vielseitig bei Holz, Leder, beschichteten Materialien und vielen klassischen Maker-Projekten eingesetzt werden können. Statt den gesamten Laserkopf mechanisch über die Fläche zu bewegen, kann der Strahl beim X1 für entsprechende Aufgaben über das Galvo-System geführt werden.

Damit versucht xTool, die großflächige Bearbeitung eines klassischen Desktop-Lasers mit der Geschwindigkeit eines Galvo-Gravierers zu verbinden.

Laser Swap macht den X1 zur modularen Plattform

Das vielleicht wichtigste Element des neuen Systems nennt xTool Laser Swap. Dabei werden zusätzliche Laserquellen über einen gemeinsamen optischen Pfad zum zentralen Galvo-Kopf geführt.

Dadurch soll der Anwender nicht für jede Lasertechnologie eine komplett neue Maschine kaufen müssen. Stattdessen kann die vorhandene X1-Plattform mit weiteren Laserquellen erweitert werden.

xTool hat bereits drei zusätzliche Module bestätigt: einen 30-Watt-Faserlaser, einen 60-Watt-MOPA-Laser und einen 5-Watt-UV-Laser.

30-Watt-Faserlaser für Metall

Der optionale 30-Watt-Faserlaser erweitert die Plattform vor allem um die Bearbeitung von Metallen. Fiber-Laser eignen sich unter anderem für Gravuren und Markierungen auf Edelstahl, Aluminium, Messing und verschiedenen anderen Metallen.

Damit könnte ein entsprechend ausgestatteter X1 Aufgaben übernehmen, für die bislang beispielsweise ein zusätzlicher F1 Ultra oder ein vergleichbares Fiber-Galvo-System notwendig wäre.

60-Watt-MOPA für anspruchsvollere Metallbearbeitung

Noch interessanter für professionelle Anwender dürfte das angekündigte 60-Watt-MOPA-Modul sein. MOPA-Laser erlauben eine deutlich umfangreichere Kontrolle von Pulsdauer und Frequenz als klassische Faserlaser.

Dadurch sind unter geeigneten Bedingungen beispielsweise farbige Markierungen auf Edelstahl und Titan, besonders dunkle Markierungen sowie tiefe Gravuren möglich.

xTool setzt diese Technologie bereits beim F2 Ultra ein. Dort kombiniert der Hersteller einen 60-Watt-MOPA-Laser mit einem 40-Watt-Diodenlaser. Beim X1 soll eine entsprechende Laserquelle dagegen Bestandteil des modularen Gesamtsystems werden.

UV-Laser erweitert das Materialspektrum

Als dritte Erweiterung hat xTool einen 5-Watt-UV-Laser angekündigt. UV-Laser arbeiten anders als klassische CO₂-, Dioden- oder Fiber-Systeme und bringen insbesondere bei empfindlichen Materialien Vorteile.

Sie können beispielsweise für bestimmte Kunststoffe, Glas und sehr feine Markierungen eingesetzt werden. Die geringere thermische Belastung kann dabei helfen, besonders detaillierte Ergebnisse zu erzielen, ohne das Material unnötig stark zu erhitzen.

xTool nutzt einen 5-Watt-UV-Laser bereits beim F2 Ultra UV. Beim X1 würde diese Technologie allerdings zusammen mit mehreren weiteren Laserquellen innerhalb einer einzigen Plattform verfügbar.

Ein Gerät statt mehrerer Laser?

Genau hier liegt die eigentliche Idee hinter dem X1. Ein ambitionierter Maker oder kleiner Personalisierungsbetrieb könnte heute beispielsweise einen CO₂-Laser für Acryl und Holz, einen Galvo-Laser für schnelle Seriengravuren und einen Fiber- oder MOPA-Laser für Metall benötigen.

Das beansprucht nicht nur viel Platz. Jede Maschine besitzt eigene Einstellungen, Wartungsanforderungen und teilweise unterschiedliche Software-Workflows.

xTool möchte mit dem X1 möglichst viele dieser Aufgaben in einer Plattform bündeln. Ob das in der Praxis tatsächlich mehrere spezialisierte Geräte ersetzen kann, gehört allerdings zu den wichtigsten offenen Fragen.

Software wird beim X1 besonders wichtig

Je mehr unterschiedliche Laserquellen innerhalb einer Maschine arbeiten, desto wichtiger wird die Software. Nutzer müssen nicht nur Material und Leistung auswählen, sondern das System muss auch entscheiden können, welcher Laser und welches Bewegungssystem für die jeweilige Aufgabe sinnvoll sind.

xTool setzt bei seinen aktuellen Geräten auf die eigene Creative Space Software. Wie weit die Automatisierung beim X1 gehen wird und ob beispielsweise unterschiedliche Laser innerhalb eines einzigen Projekts automatisch nacheinander eingesetzt werden können, gehört zu den Punkten, die bei einem ausführlichen Praxistest besonders interessant wären.

Preis und Deutschland-Start bleiben noch offen

Bei aller spannenden Technik fehlt momentan eine entscheidende Information: xTool hat noch keinen offiziellen Verkaufspreis für den X1 bekannt gegeben.

Auch ein verbindlicher Verkaufsstart für Deutschland und Europa steht derzeit noch aus. Im europäischen xTool-Shop wird das Modell zum Zeitpunkt unserer Recherche noch nicht regulär angeboten.

Entsprechend lässt sich momentan auch noch nicht beurteilen, wie teuer ein vollständig ausgestatteter X1 mit mehreren Laser-Swap-Modulen werden könnte.

Gerade dieser Punkt dürfte entscheidend sein. Die Plattform ergibt wirtschaftlich vor allem dann Sinn, wenn der Preis inklusive der benötigten Module unter oder zumindest in der Nähe dessen bleibt, was mehrere einzelne Spezialmaschinen kosten würden.

Redaktionelle Einordnung

Der xTool X1 gehört auf dem Papier zu den interessantesten Laser-Konzepten, die xTool bislang vorgestellt hat. Dual-Laser-Systeme sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Auch xTool selbst kombiniert beispielsweise beim F1 Ultra und F2 Ultra bereits verschiedene Laserquellen.

Der X1 verfolgt allerdings einen größeren Ansatz. Gantry und Galvo werden miteinander kombiniert, während zusätzliche Laserquellen über eine gemeinsame optische Architektur eingebunden werden können.

Das könnte gerade für Anwender interessant werden, die mit sehr unterschiedlichen Materialien arbeiten. Statt den Auftrag zwischen mehreren Maschinen aufzuteilen, könnte ein großer Teil der Produktion künftig innerhalb eines Systems stattfinden.

Ob daraus tatsächlich ein universelles Werkzeug oder ein sehr teurer Kompromiss entsteht, lässt sich anhand der bisherigen Herstellerinformationen noch nicht beantworten. Dafür müssen vor allem Preis, Arbeitsbereiche, Wechselzeiten, Genauigkeit und die praktische Integration der einzelnen Laserquellen bekannt sein.

Wie schlägt sich der X1 gegen P3, F2 Ultra und separate Maschinen?

Spannend wird insbesondere der Vergleich mit xTools eigener Produktpalette. Ein P3 oder P2S deckt klassische CO₂-Arbeiten ab, während F1 Ultra und F2 Ultra für schnelle Galvo- und Metallanwendungen gedacht sind. Mit dem F2 Ultra UV existiert zusätzlich bereits eine spezialisierte UV-Lösung.

Der X1 versucht, große Teile dieser Produktbereiche innerhalb einer Plattform zusammenzuführen. Das könnte Platz sparen und den Workflow vereinfachen. Spezialisierte Einzelmaschinen könnten dagegen weiterhin Vorteile bei maximaler Geschwindigkeit, Arbeitsfläche oder paralleler Produktion besitzen.

Genau deshalb sollte ein späterer Test nicht nur prüfen, was der X1 grundsätzlich bearbeiten kann. Entscheidend ist vielmehr, wie gut er die einzelnen Aufgaben im direkten Vergleich mit spezialisierten Geräten erledigt.