Ivy Flindt haben nämlich mit ihrem Debütalbum und mit ihren emotionalen Konzerten wahrlich Eindruck hinterlassen. Der Chefredakteur des deutsche Rolling Stone, Sebastian Zabel, schwärmte 2018 sehr poetisch über ihr Debütalbum, man höre hier „Popsongs wie in Silber gegossen.“ In der ZEIT schrieb Kritiker Florian Zinnecker über „Songs mit philosophischem Überbau an denen kleine Gewichte hängen.“ Wer Lieder wie „Seal My Lips“ oder „When You’re Not Around“ hört, weiß sofort, wie das gemeint ist. Produziert wurde die Platte übrigens vom Produzenten ihres Lieblingsalbums „Long Gone Before Daylight“ von den Cardigans. Cate und Micha schickten dem Schweden Per Sunding damals einfach mal ihre Demos – und wurden von ihm prompt in sein Malmöer Studio eingeladen. So was passiert ihnen öfter, aber dazu gleich mehr. In den Jahren vor und nach dem Release spielten Ivy Flindt dann zahlreiche Konzerte im In- und Ausland, zumindest so lange das möglich war. Aber auch in der Pandemie fanden Ivy Flindt ihre Bühnen und gaben zum Beispiel in der Reihe „Offstage“ vom WDR Rockpalast ein Konzert, das sie später als Live-Album veröffentlichten.
Trotzdem muss man hier nicht von einer Comeback-Situation sprechen. Cate meint dazu: „Wir machen nie nicht Musik. Nur: Das Leben will ja immer so viel von einem. In meiner Innenwahrnehmung komm ich überhaupt nicht auf die Idee, dass irgendetwas lang dauert. Meine Tage sind voller Streben und Wollen und auch Verzweifeln und Quälen. Wir sind einfach qualitätsverliebt und es dauert, bis wir dann zu einem Punkt kommen, an dem wir sagen: Das haben wir jetzt und das wollen wir auch zeigen.“ Micha, der auch ein sehr guter Fotograf ist, der mit analogen Kameras arbeitet, vergleicht diesen Prozess gerne mit seiner anderen Passion. „Auf dem Film sind 12 Fotos, und ich sehe erst nach dem Entwickeln, welche Bilder gelungen sind. So geht es uns auch mit den Song-Ideen, Skizzen oder Demos, die wir machen.“
Damit wären wir bei der neuen Single „Welcome To L.A.“, mit der Ivy Flindt auch ihre neue 4-Track-EP „Sphinx“ für den 13.11.2026 ankündigen. Der Song ist die lyrische Momentaufnahme einer Reise in diese geradezu mythisch überhöhte Stadt Los Angeles. Als Ivy Flindt dort zum wiederholten Mal auf der Musexpo Hollywood eingeladen waren, blieben sie eine Weile länger, ließen sich inspirieren, dichteten, musizierten, fotografierten. Wer Ivy Flindt schon auf dem Schirm hatte, merkt sofort: Es ist noch alles da, was man liebte. Cate Martins erstaunliche Stimme, die es schafft, zugleich cool und vor Emotionen vibrierend zu klingen. Ihre poetischen Texte, denen man anmerkt, dass Cate eine wahre Dichterin ist, deren lyrische Inspiration von Rilke bis Smith (Patti) reicht. Und dann sind da natürlich das Spiel und das kompositorische Gespür von Multi-Instrumentalist Micha Holland, der in diesem Song musikalisch eher das David-Lynch-L.A. dem Beach-Boys-L.A. vorzieht. Was aber neu ist: Cate Martin hat ihre Klangfarbe bewusst ins Halbdunkel gedimmt, während Micha Hollands musikalische Begleitung noch präziser erscheint: Hier ist kein Instrument zu viel, und trotz der atmosphärischen Dichte ist „Welcome To L.A.“ ein permanenter Tanz aus Musik und Stimme, bei dem sich beide Elemente genau den Raum nehmen, den sie brauchen.
Im Video zum Song, das überwiegend aus Videos der beiden und Michas analogen Fotografien besteht, blitzt kurz ein tolles Foto von Cate auf, in dem sie im Hotel mit einer Gitarre vor dem Fenster sitzt: „Das könnte jetzt tatsächlich wie eine Story oder wie ein Klischee klingen, aber das ist exakt der Moment, in dem dieser Song seinen Anfang nahm: Ich bin mit der Idee aufgewacht und dann hat sich dieser Song wie von selbst geschrieben. Das sind meine Eins-zu-Eins-Eindrücke von dieser Stadt. Einerseits diese da regierende Idee von: ‚Ich kann es schaffen und ich will es auch schaffen. Ich habe auch so einen Drive und ich will mich auch in diesen Zirkus begeben.‘“ Aber dann gäbe es eben die Kehrseite, „so einen totalen Struggle, einen wahnsinnigen Kampf. Man fährt 100 Jahre Taxi an 24 Stunden am Tag, und danach ist man eben noch Showgirl, oder Sängerin oder Drehbuchautor oder angehender Filmstar. Wenn man dort jemanden trifft, geht es immer um die Frage: Bringt der andere mich nach vorne oder nicht.“ Das Cover der Single ist ein Foto, dass die Stimmung des Songs genau trifft: Wir sehen Cate mit einer großen Sonnenbrille unter dem grellen Sommerhimmel von L.A., mit einem Gesichtsausdruck, der entschlossen, skeptisch, fasziniert, emotional und tough zugleich zu wirken scheint – all die widersprüchlichen Emotionen, die diese Stadt auszulösen vermag.
Für den perfekt abgestimmten Sound von „Welcome To L.A.“ und der EP „Sphinx“ ist schon wieder ein sehr namhafter Produzent verantwortlich. Grammy-Gewinner Danton Supple, der zum Beispiel Starsailors „Silence Is Easy“ und Coldplays „X & Y“ produziert hatte und als Mixer und Engineer mit Acts wie Nick Cave, Amy Macdonald, Patti Smith, Kylie Minogue, U2 oder Suede gearbeitet hat. Supple sah Ivy Flindt vor Jahren bei einer Clubshow in Schottland, war begeistert und sprach die Band – bzw. Cate – einfach am Merchstand an. „Als er sagte, er sei Produzent habe ich das erst nur so halb ernst genommen“, erinnert sich Cate. „Sagen wir mal so: Es kommt durchaus vor, dass ich in solchen Situationen von Männern angesprochen werden, die mir erklären wollen, wie sie uns oder mich ganz groß rausbringen.“ Supple war in keiner Weise so. Er prahlte nicht, mit wem er schon gearbeitet habe, sondern hinterließ freundlich seine Nummer und seinen Namen. Später merkte die Band dann, wen man da gerade nach Hause hat gehen lassen.
Aber der Kontakt blieb bestehen und nach langem Termin-Hin-und-Her luden Ivy Flindt Danton Supple in ihr eigenes Studio in Norddeutschland ein. In den drei Wochen, die sich beide Parteien freiräumen konnten, widmeten sich Ivy Flindt und Supple den vier Songs, die nun „Sphinx“ ausmachen. Micha sagt: „Wir haben ganz naiv gedacht: Was schaffen wir in der Zeit und was ist gerade das Beste, was wir haben?“ Cate meint dazu: „Wahrscheinlich wäre es für uns gesund, sich mehr für Streaming-Strategien zu interessieren, aber da kommt vielleicht auch der Titel ‚Sphinx‘ ins Spiel, der unser Selbstverständnis meint. Die Art, wie man bei sich selbst bleiben kann. Der Titel steht natürlich für eine gewisse Unbeweglichkeit und Widerstandsfähigkeit. Sie überdauert, vornehmlich unbewegt, Jahrtausende. Die Gute sitzt ja schon rund 4.500 Jahren stolz in der Wüste herum.“
Auf jeden Fall steht „Sphinx“ aber auch für eine zeitlose Faszination – und die haben Ivy Flindt mit ihrem ersten Song der neuen EP ganz lässig wieder wachgekitzelt. In diesem Sinne: „Welcome To L.A.“!
Single/Video-Release: 10.07.2026
EP-Titel: "Sphinx"
EP-Release: 13.11.2026
Label: Marland Records