Bei Kopfhörern gehören ausgerechnet die Teile, die täglich mit Haut und Haaren in Berührung kommen, häufig zu den schwierigsten Verschleißteilen. Beats versucht dieses Problem bei seinem neuen Spitzenmodell ungewöhnlich konsequent zu lösen. Die Beats 360 besitzen nicht nur austauschbare Ohrpolster, sondern erstmals bei einem Beats-Kopfhörer auch ein wechselbares Polster am Kopfbügel.
Das ist jedoch nur ein Teil der Neuerungen. Beats entwickelt für die 360 eine neue Akustikplattform, verspricht die bislang leistungsfähigste aktive Geräuschunterdrückung der Marke und macht seine großen Over-Ears erstmals nach IPX4 gegen Schweiß und Wasser geschützt. Damit zielt das neue Modell deutlich stärker auf Nutzer, die einen Premium-Kopfhörer nicht nur auf Reisen oder am Schreibtisch, sondern auch beim Training verwenden möchten.
In Deutschland kosten die Beats 360 349,95 Euro. Bestellungen sind bereits möglich, der reguläre Verkaufsstart erfolgt am 24. September 2026.
Ein Kopfhörer, dessen Polster wirklich zum Konzept gehören
Austauschbare Ohrpolster sind für sich genommen keine Revolution. Bei den Beats 360 geht der Hersteller aber einen Schritt weiter und macht auch das Polster des Kopfbügels wechselbar.
Dafür musste Beats die interne Konstruktion verändern. Elektronik und andere Komponenten sind so angeordnet, dass durch den Bügel keine störende Verkabelung geführt werden muss.
Serienmäßig werden die Beats 360 mit sogenannten Performance-Knit-Polstern ausgeliefert. Unter dem atmungsaktiven Strickmaterial befindet sich Memory Foam. Der Ansatz richtet sich vor allem an Nutzer, die die Kopfhörer auch beim Sport tragen.
Nach einem schweißtreibenden Training lässt sich das Polsterset entfernen und gegen ein frisches austauschen. Gleichzeitig können verschiedene Farben miteinander kombiniert werden.
Neben Performance Knit bietet Beats UltraPlush als alternative Oberfläche an.
Das Ganze ist deshalb nicht nur eine Design-Spielerei. Ohrpolster sind bei intensiv genutzten Kopfhörern klassische Verschleißteile. Lassen sie sich unkompliziert ersetzen, kann das die Nutzungsdauer des gesamten Geräts verlängern.
Erster Beats-Over-Ear mit IPX4
Dazu passt eine zweite Premiere.
Die Beats 360 sind die ersten Over-Ear-Kopfhörer der Marke mit einer IPX4-Zertifizierung gegen Schweiß und Spritzwasser.
Ein Workout oder leichter Regen sollen dem Kopfhörer damit nichts anhaben.
Wasserdicht sind die Beats 360 allerdings nicht. IPX4 bedeutet insbesondere keinen Schutz beim Untertauchen.
Für einen Premium-Over-Ear ist der Ansatz trotzdem interessant. Viele Modelle dieser Klasse sind primär für Reisen und Büro ausgelegt und besitzen keine entsprechende Zertifizierung.
Komplett neue Akustikplattform
Beats hat für das neue Modell eine eigene Akustikarchitektur entwickelt.
Die Treiber verwenden dreischichtige Membranen und doppelte Neodym-Magnete. Beats verspricht damit kräftige Tieftonwiedergabe bei gleichzeitig geringen Verzerrungen und hoher Detailauflösung.
Ob das neue System tatsächlich besser klingt als die bisherigen Studio Pro, lässt sich natürlich nicht aus den technischen Angaben ableiten.
Gerade deshalb wäre ein direkter Vergleich interessant.
Neben klassischer Stereo-Wiedergabe unterstützen die Beats 360 personalisiertes 3D-Audio mit dynamischem Head Tracking. Bei entsprechendem Material kann sich das Klangbild dadurch abhängig von der Kopfbewegung verändern.
Das stärkste ANC, das Beats bislang gebaut hat
Auch die aktive Geräuschunterdrückung wurde überarbeitet.
Beats spricht vom bislang fortschrittlichsten ANC-System des Unternehmens.
Unter den eigenen Testbedingungen soll die gesamte Geräuschunterdrückung bis zu 1,75-mal stärker als beim Beats Studio Pro ausfallen.
Diese Zahl sollte allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Sie stammt unmittelbar vom Hersteller und sagt allein noch wenig darüber aus, wie gut beispielsweise Stimmen, tieffrequentes Flugzeugbrummen oder wechselnde Straßengeräusche unter realen Bedingungen unterdrückt werden.
Genau hier bietet sich ein unabhängiger Test an.
Neben ANC steht ein Transparenzmodus zur Verfügung.
Neun Mikrofone arbeiten im Kopfhörer
Im Inneren sitzen insgesamt neun MEMS-Mikrofone.
Davon werden acht für die aktive Geräuschunterdrückung eingesetzt. Drei Mikrofone können gleichzeitig für die Sprachaufnahme beziehungsweise Telefonie genutzt werden.
Ein KI-trainierter Algorithmus und Beamforming sollen Umgebungsgeräusche bei Gesprächen reduzieren.
Gerade bei einem Kopfhörer, der ausdrücklich auch beim Sport und unterwegs verwendet werden soll, wäre ein Mikrofontest draußen deutlich aussagekräftiger als eine Aufnahme in einem ruhigen Raum.
Wind, Straßenverkehr und größere Menschenmengen wären dafür ideale Testbedingungen.
Bis zu 32 Stunden – auch mit ANC
Beats gibt eine Akkulaufzeit von bis zu 32 Stunden an.
Bemerkenswert ist, dass dieser Wert auch bei aktiviertem ANC und personalisiertem Spatial Audio erreicht werden soll – jeweils unter den definierten Hersteller-Testbedingungen.
Über Fast Fuel sollen fünf Minuten Laden Energie für bis zu eine Stunde Wiedergabe liefern.
Geladen wird über USB-C.
Einen Punkt sollten Käufer allerdings kennen: Beats legt kein USB-C-Ladekabel bei. Auch ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang.
Beats 360 sind bewusst komplett kabellos
Noch ungewöhnlicher ist eine andere Entscheidung.
Die Beats 360 besitzen keinen kabelgebundenen Audiomodus.
Weder über 3,5-mm-Klinke noch über USB-C lässt sich Musik kabelgebunden wiedergeben.
Damit unterscheiden sie sich deutlich von den weiterhin angebotenen Beats Studio Pro.
Wer beispielsweise Lossless Audio über USB-C nutzen möchte oder Kopfhörer per Kabel an ein Audiointerface, Flugzeug-Entertainment-System oder andere Geräte anschließen will, bekommt diese Möglichkeit beim neuen Spitzenmodell nicht.
Für einen Kopfhörer dieser Preisklasse ist das durchaus eine relevante Einschränkung.
Beats hat sich bewusst für ein vollständig kabelloses Konzept entschieden und nutzt den dadurch gewonnenen Platz unter anderem für die neue Konstruktion des Kopfbügels.
Apple und Android werden gleichermaßen berücksichtigt
Obwohl Beats zu Apple gehört, sind die 360 nicht ausschließlich für das iPhone gedacht.
Apple-Nutzer erhalten Funktionen wie One-Touch-Pairing, „Hey Siri“, automatischen Gerätewechsel, Audio Sharing und die Integration in „Wo ist?“.
Android-Nutzer bekommen unter anderem Google Fast Pair, Audio Switch und Find Hub.
Die Verbindung erfolgt über Bluetooth 5.3.
Damit positioniert Beats sein Flaggschiff breiter als beispielsweise Apples AirPods Max.
294,5 Gramm und faltbares Design
Die Beats 360 wiegen 294,5 Gramm.
Das Gehäuse lässt sich flach zusammenfalten und wird mit einer Tasche aus gewebtem Ripstop-Material geliefert.
Gerade der Tragekomfort dürfte interessant werden, weil Beats das Gewicht und den Anpressdruck ausdrücklich als wichtige Entwicklungsziele nennt.
Wie bequem die Kopfhörer nach drei, fünf oder acht Stunden tatsächlich bleiben, lässt sich allerdings erst im Alltag beurteilen.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Beats 360 |
|---|---|
| Bauform | Over-Ear |
| Verbindung | Bluetooth 5.3 |
| Kabelbetrieb | nein |
| ANC | adaptiv |
| Transparenzmodus | ja |
| Mikrofone | 9 MEMS |
| Spatial Audio | personalisiert mit Head Tracking |
| Ohrpolster | austauschbar |
| Kopfbügelpolster | austauschbar |
| Standardpolster | Performance Knit |
| alternative Polster | UltraPlush |
| Schutzklasse | IPX4 |
| Akkulaufzeit | bis 32 Stunden* |
| Schnellladen | 5 Min. für bis zu 1 Stunde* |
| Gewicht | 294,5 g |
| Farben | Schwarz, Wolke, Pink, Himmelblau |
| Apple-Unterstützung | ja |
| Android-Unterstützung | ja |
| Deutschland-Preis | 349,95 € |
| Verkaufsstart | 24. September 2026 |
*Herstellerangabe unter definierten Testbedingungen.
Beats 360 oder Studio Pro?
Interessanterweise ersetzt Beats sein bisheriges Spitzenmodell nicht einfach.
Die Beats Studio Pro bleiben im Sortiment und werden günstiger angeboten.
Damit entstehen zwei unterschiedliche Konzepte.
Die Beats 360 setzen auf stärkere Geräuschunterdrückung, IPX4, austauschbare Polster und das vollständig kabellose Design. Die Studio Pro bleiben dagegen für Nutzer interessant, die kabelgebundene Wiedergabe beziehungsweise Lossless über USB-C benötigen.
Wer seine Kopfhörer hauptsächlich drahtlos unterwegs und beim Sport verwendet, dürfte eher zur neuen Generation tendieren.
Für Nutzer am Computer oder Audiointerface kann dagegen das ältere Modell trotz seines Alters die flexiblere Lösung sein.
Konkurrenz für Sony, Bose – und die eigenen AirPods Max
Mit 349,95 Euro trifft Beats auf ausgesprochen starke Konkurrenz.
Sony WH-1000XM6 und Modelle aus der Bose QuietComfort Ultra Headphones-Familie gehören zu den etablierten Alternativen im Premiumsegment. Innerhalb des eigenen Konzerns stehen zudem die AirPods Max oberhalb der Beats.
Die 360 versuchen deshalb gar nicht erst, nur über klassische Audio-Spezifikationen zu gewinnen.
IPX4 und das modulare Polstersystem schaffen eine etwas andere Positionierung: Premium-ANC-Kopfhörer, die ausdrücklich auch für Fitness und einen aktiveren Alltag gedacht sind.
Das könnte eine interessante Nische sein.