Motorola meldet sich mit einem deutlich ambitionierteren Wearable zurück. Die neue Moto Watch Ultra ist nicht nur die bislang leistungsfähigste Smartwatch der Marke, sondern auch die erste Motorola-Uhr mit eigenständiger LTE-Verbindung über eSIM.

Dazu kombiniert der Hersteller Wear OS 6 mit einem Snapdragon W5+ Gen 1, einem 1,5 Zoll großen OLED-Display, Dual-Band-GPS und umfangreichen Fitness- und Erholungsfunktionen von Polar. Google Wallet, Google Maps, Gemini und weitere Wear-OS-Apps lassen sich direkt auf der Uhr nutzen.

Motorola positioniert die Watch Ultra damit klar gegen etablierte Android-Smartwatches von Samsung und Google. Der Einstiegspreis für Europa und Deutschland liegt bei 429 Euro.

LTE macht die Moto Watch erstmals unabhängig vom Smartphone

Der größte Unterschied zu bisherigen Motorola-Smartwatches steckt in der Mobilfunkanbindung. Die Moto Watch Ultra unterstützt LTE über eine eSIM und kann damit auch dann Anrufe entgegennehmen, Nachrichten versenden und Benachrichtigungen empfangen, wenn das Smartphone zu Hause bleibt.

Gerade beim Sport ist das praktisch. Beim Laufen, Radfahren oder einem kurzen Weg zum Supermarkt muss das Telefon nicht zwingend mitgenommen werden.

Ob LTE hierzulande mit allen relevanten Mobilfunkanbietern funktioniert, hängt allerdings vom jeweiligen eSIM-Angebot und den unterstützten Smartwatch-Tarifen ab.

Wear OS 6 mit Google Play Store

Als Betriebssystem verwendet Motorola Wear OS 6 von Google. Dadurch unterscheidet sich die Ultra deutlich von günstigeren Moto-Watches mit proprietärem Betriebssystem.

Apps lassen sich direkt über den Google Play Store installieren. Zu den verfügbaren Anwendungen gehören beispielsweise Google Maps, Google Wallet, YouTube Music und Google Messages.

Google Gemini ist ebenfalls integriert. Zusätzlich unterstützt die Uhr Motorolas beziehungsweise Lenovos KI-Assistenten Qira auf kompatiblen Geräten.

Motorola verspricht für die Moto Watch Ultra zwei weitere Betriebssystem-Upgrades. Gerade bei einer Smartwatch dieser Preisklasse dürfte die langfristige Softwarepflege für viele Käufer ein wichtiges Entscheidungskriterium sein.

1,5-Zoll-OLED mit bis zu 2.700 Nits

Die Uhr besitzt ein rundes 1,5 Zoll großes OLED-Display mit Always-on-Funktion.

Motorola gibt eine maximale Helligkeit von bis zu 2.700 Nits an. Damit dürfte die Anzeige auch bei direktem Sonnenlicht gut ablesbar sein. Ob dieser Spitzenwert dauerhaft oder nur unter bestimmten Bedingungen erreicht wird, müsste allerdings ein unabhängiger Displaytest zeigen.

Geschützt wird das Panel durch Corning Gorilla Glass 3.

Edelstahlgehäuse und klassische 22-mm-Armbänder

Beim Gehäuse setzt Motorola auf Edelstahl. Der Durchmesser beträgt 46 Millimeter, womit die Watch Ultra eher zu den größeren Smartwatches gehört.

Positiv ist die Unterstützung klassischer 22-mm-Armbänder. Nutzer sind damit nicht ausschließlich auf proprietäres Motorola-Zubehör angewiesen, sondern können aus einem sehr großen Angebot kompatibler Bänder wählen.

Motorola bietet selbst Varianten mit Silikon- und Lederarmbändern an.

Polar liefert die Fitness-Algorithmen

Beim Gesundheits- und Fitnessbereich arbeitet Motorola erneut mit Polar zusammen.

Die Uhr nutzt verschiedene bekannte Polar-Funktionen. Dazu gehört Nightly Recharge, das Schlafqualität und die nächtliche Erholung des autonomen Nervensystems zusammenführt.

Sleep Plus Stages analysiert unter anderem Leicht-, Tief- und REM-Schlaf und erstellt daraus einen persönlichen Schlafwert.

Hinzu kommen Active Intensity Zones, Smart Calories, Energy Sources und individuell angepasste Aktivitätsziele.

Für Läufer gibt es außerdem einen Running Coach mit geführten Lauf- und Gehtrainings.

Dual-Band-GPS für genauere Positionsdaten

Motorola integriert Dual-Band-GPS. Die zusätzliche Frequenzunterstützung soll insbesondere in dicht bebauten Innenstädten, Wäldern oder zwischen hohen Gebäuden eine genauere Positionsbestimmung ermöglichen.

Für einen Test wäre genau dieser Punkt besonders spannend. GPS-Uhren unterscheiden sich trotz ähnlicher Datenblätter teilweise erheblich bei Streckenaufzeichnung, Kurven und Höhenprofilen.

Google Wallet direkt am Handgelenk

Über NFC und Google Wallet lässt sich die Moto Watch Ultra auch zum kontaktlosen Bezahlen einsetzen.

Zusammen mit LTE entsteht dadurch ein recht vollständiges Standalone-Konzept: Smartphone zu Hause lassen, Lauftraining aufzeichnen, Musik hören, navigieren und anschließend unterwegs bezahlen.

Bis zu zwei Tage Akkulaufzeit

Motorola verspricht bei deaktiviertem Always-on-Display bis zu zwei Tage aktive Nutzung.

Das ist für eine vollwertige Wear-OS-Smartwatch ordentlich, bleibt aber weit von klassischen Fitnessuhren mit Laufzeiten von einer oder mehreren Wochen entfernt.

Interessanter ist die Schnellladefunktion. Nach nur 15 Minuten Ladezeit sollen laut Hersteller wieder bis zu 24 Stunden aktive Nutzung möglich sein.

Gerade hier müsste ein Praxistest unterscheiden zwischen normaler Bluetooth-Nutzung und deutlich energieintensiverem LTE- und GPS-Betrieb.

IP68 und 5 ATM

Die Moto Watch Ultra erfüllt sowohl IP68 als auch eine Wasserdichtigkeit von 5 ATM.

Damit eignet sie sich laut Motorola unter anderem für Schwimmtraining und sportliche Aktivitäten bei Regen. Das Display wird zusätzlich durch Gorilla Glass 3 geschützt.

429 Euro – Deutschlandstart Ende September erwartet

Motorola nennt für Europa einen Einstiegspreis von 429 Euro.

Der Hersteller kündigte zur Vorstellung eine Einführung in ausgewählten europäischen Ländern innerhalb der folgenden Wochen an.

Deutsche Händler führen die Moto Watch Ultra inzwischen ebenfalls mit einer UVP von 429 Euro. Erste Angebote nennen aktuell eine Auslieferung gegen Ende September.

Die tatsächliche Verfügbarkeit einzelner Farben und Armbandvarianten kann dabei unterschiedlich ausfallen.

Starke Konkurrenz von Samsung und Google

Mit 429 Euro bewegt sich Motorola unmittelbar im Premiumsegment. Die wichtigsten Konkurrenten kommen deshalb von Samsung und Google.

Eine Galaxy Watch oder Pixel Watch bietet ein ähnlich umfangreiches Wear-OS-Ökosystem, während Motorola vor allem mit der Integration der Polar-Fitnessalgorithmen, LTE, Dual-Band-GPS und der offenen Unterstützung klassischer 22-mm-Armbänder punkten möchte.

Gegen klassische Sportuhren von Garmin und Polar selbst fällt die deutlich kürzere Akkulaufzeit dagegen stärker ins Gewicht.

Unsere Einschätzung

Die Moto Watch Ultra ist deutlich interessanter als ein gewöhnliches Modellupdate. Motorola verbindet erstmals seine Wearable-Plattform mit LTE und vollwertigem Wear OS und positioniert die Uhr damit direkt im Premiumsegment.

Besonders spannend ist die Zusammenarbeit mit Polar. Während viele Wear-OS-Uhren zwar zahlreiche Messwerte sammeln, ist deren sinnvolle Interpretation mindestens ebenso wichtig. Genau hier könnten Polar-Funktionen wie Nightly Recharge und Energy Sources einen echten Mehrwert bieten.

Der Preis von 429 Euro setzt allerdings hohe Erwartungen. In dieser Klasse muss Motorola nicht nur bei Ausstattung und Design überzeugen, sondern auch bei Messgenauigkeit, Akkulaufzeit, App-Qualität und langfristiger Softwarepflege.

Für einen unabhängigen Test wären deshalb vor allem LTE-Verfügbarkeit in Deutschland, Herzfrequenzmessung, Schlaftracking, GPS-Genauigkeit, Akkulaufzeit mit und ohne LTE sowie die Qualität der Polar-Auswertungen entscheidend.