Während Smartphone-Kameras immer stärker auf automatische Bildoptimierung und KI setzen, geht Polaroid bewusst in die entgegengesetzte Richtung. Mit der neuen Polaroid Mod bringt der Hersteller eine analoge Sofortbildkamera auf den Markt, bei der Experimentieren wieder ausdrücklich zum Fotografieren gehören soll.

Das Besondere steckt dabei direkt am Objektiv. Über einen physischen Drehregler lassen sich vier kreative Aufnahmemodi auswählen: Split Shot, Motion Freeze, Double Exposure und Light Painting. Die Effekte entstehen unmittelbar bei der Aufnahme und benötigen weder eine Smartphone-App noch eine nachträgliche digitale Bearbeitung.

Die Polaroid Mod ist seit dem 29. September 2026 direkt bei Polaroid erhältlich und kostet in Europa 169,99 Euro. Bei weiteren Händlern soll die Kamera außerhalb der USA Anfang 2027 erscheinen.

Vier kreative Modi direkt an der Kamera

Die Mod ist keine klassische Point-and-Shoot-Sofortbildkamera. Polaroid möchte Nutzer bewusst dazu bringen, mit Belichtung, Bewegung und Bildaufbau zu experimentieren.

Dafür befindet sich rund um das Objektiv ein eigener Moduswahlschalter.

Double Exposure legt zwei nacheinander aufgenommene Motive auf demselben Sofortbild übereinander. Dadurch lassen sich beispielsweise Personen mit Landschaften, Strukturen oder anderen Motiven kombinieren.

Bei Split Shot wird das Bild dagegen geteilt. Ein mitgeliefertes Zubehör verdeckt zunächst eine Hälfte des Objektivs. Nach der ersten Aufnahme wird die Abdeckung gedreht und die zweite Hälfte belichtet. Beide Motive landen anschließend auf demselben Sofortbild.

Light Painting verwendet eine längere Belichtungszeit. Bewegt man währenddessen beispielsweise eine Taschenlampe oder eine andere Lichtquelle durch das Motiv, entstehen Lichtspuren direkt auf dem Film.

Technisch besonders interessant ist Motion Freeze. Hier arbeitet Polaroid mit einer Blitzsynchronisation am Ende der Belichtung. Zunächst wird die Bewegung über eine längere Belichtung erfasst, anschließend friert der Blitz das Motiv ein. Dadurch können Bewegungsspuren und ein scharf dargestellter Moment in einer Aufnahme kombiniert werden.

Kein Smartphone notwendig

Gerade dieser Punkt unterscheidet die Mod von einigen bisherigen Polaroid-Modellen.

Die kreativen Funktionen verstecken sich nicht in einer App oder in digitalen Menüs. Der Fotograf wählt sie direkt an der Kamera aus.

Daneben befindet sich auf der Vorderseite ein eigener Regler zur Anpassung der Belichtung beziehungsweise Bildhelligkeit.

Das Bedienkonzept dürfte damit auch Nutzern entgegenkommen, die bewusst analog fotografieren möchten und ihr Smartphone dabei nicht ständig benötigen wollen.

Zwei Objektive für unterschiedliche Entfernungen

Bei der eigentlichen Optik setzt Polaroid auf ein bekanntes Prinzip.

Die Kamera verwendet ein Zwei-Linsen-System für unterschiedliche Aufnahmeentfernungen.

Eine Nahbereichslinse besitzt rund 95 mm Brennweite, während für weiter entfernte Motive eine Linse mit rund 103 mm zum Einsatz kommt.

Die Umschaltung erfolgt abhängig von der Entfernung zum Motiv.

Die Konstruktion bietet sechs nutzbare Blendenstufen zwischen f/11 und f/64.

Damit ist die Mod keine vollständig manuell kontrollierbare Kamera wie die deutlich teurere Polaroid I-2. Der Schwerpunkt liegt vielmehr darauf, kreative Aufnahmetechniken möglichst unkompliziert zugänglich zu machen.

i-Type- und 600-Film

Bei den Filmen bleibt Polaroid seinem etablierten Format treu.

Die Mod funktioniert sowohl mit Polaroid i-Type als auch mit Polaroid 600 Film. Farb- und Schwarz-Weiß-Filme können verwendet werden.

Für Nutzer ist insbesondere i-Type interessant, da die Kamera über einen eigenen Akku verfügt und deshalb keine Batterie im Filmpack benötigt.

Gerade bei einer Kamera, die zum Experimentieren einlädt, sollte allerdings ein Punkt nicht unterschätzt werden: Sofortbildfilm ist vergleichsweise teuer.

Bei Double Exposure, Light Painting oder Split Shot gehört ein nicht perfekt gelungenes Ergebnis zwangsläufig zum Experimentieren dazu. Anders als bei einer Digitalkamera lässt sich die Aufnahme anschließend nicht einfach löschen und kostenlos wiederholen.

Bis zu 120 Aufnahmen mit einer Akkuladung

Die Kamera besitzt einen integrierten 750-mAh-Lithium-Ionen-Akku.

Polaroid gibt eine Laufzeit von bis zu 15 Filmpacks beziehungsweise rund 120 Aufnahmen pro vollständiger Ladung an.

Geladen wird über USB-C.

Damit dürfte der Akku im Alltag deutlich seltener zum Problem werden als der Filmvorrat.

Kein Leichtgewicht

Die Mod ist eine klassische Polaroid-Kamera – und entsprechend nicht gerade winzig.

Das Gehäuse misst ungefähr 161,7 × 110,2 × 98 Millimeter und bringt rund 520 Gramm auf die Waage.

Damit ist sie eher eine Kamera, die bewusst mitgenommen wird, als ein Gerät für die Hosentasche.

Gerade diese physische Präsenz gehört allerdings seit Jahrzehnten zum Charakter großer Polaroid-Sofortbildkameras.

Technische Daten

Merkmal Polaroid Mod
Kameratyp Analoge Sofortbildkamera
Film Polaroid i-Type und 600
Filmvarianten Farbe und Schwarz-Weiß
Kreativmodi Split Shot, Motion Freeze, Double Exposure, Light Painting
Optik Zwei-Linsen-System
Nahbereich ca. 95 mm
Distanz ca. 103 mm
Blenden sechs nutzbare Stufen, f/11 bis f/64
Blitz integriert
Belichtungskorrektur physischer Helligkeitsregler
Akku 750 mAh Lithium-Ionen
Akkulaufzeit bis zu 15 Filmpacks / ca. 120 Aufnahmen
Laden USB-C
Abmessungen ca. 161,7 × 110,2 × 98 mm
Gewicht ca. 520 g
Preis 169,99 Euro
Direktverkauf seit 29. September 2026
Weitere Händler weltweit Anfang 2027

Wo positioniert sich die Polaroid Mod?

Innerhalb des Polaroid-Portfolios besetzt die Mod eine interessante Position.

Die günstigeren Now-Modelle konzentrieren sich stärker auf unkomplizierte Sofortbildfotografie. Die Now+-Reihe erweitert das Konzept um zusätzliche kreative Möglichkeiten und Smartphone-Funktionen. Oberhalb davon steht die deutlich ambitioniertere I-2 mit umfangreicheren manuellen Einstellmöglichkeiten.

Die Mod verfolgt einen anderen Weg.

Sie möchte mehr kreative Möglichkeiten bieten, ohne den Nutzer in Apps oder umfangreiche manuelle Kameraeinstellungen zu schicken. Die vier Modi sind direkt sichtbar und sollen zum Ausprobieren animieren.

Damit konkurriert sie nicht nur mit anderen Polaroid-Modellen. Fujifilm Instax bleibt der wichtigste Gegenspieler im Sofortbildmarkt, verfolgt bei vielen Modellen jedoch einen stärker auf unkomplizierte Schnappschüsse beziehungsweise hybride Funktionen ausgerichteten Ansatz.